Archiv der Kategorie ‘denken‘

 
 

Anti-Psalm

Gestern in der Sonntagspredigt hatte Axel Nehlsen eine – wie ich finde – recht feinsinnige Parodie auf Psalm 23 mitgebracht, die ich hier mit freundlicher Genehmigung des Autors wiedergeben möchte:

Ich verdiene mein Geld mit meinem Können, Wissen und Taktik,
deshalb mangelt es mir an nichts.
Ich gönne mir ordentlich Urlaub und Luxus,
das erquickt mich.
Ich bin mir meines Erfolgsweges sicher
und muss mich nur vor mir selber verantworten.
Auch Probleme und Rückschläge können mir nichts anhaben,
notfalls helfen mir mein Coach und meine Therapeutin zu neuer Energie.
Ich bin Konkurrenten gegenüber angstfrei und rücksichtslos
und zeige ihnen stolz, was ich mir leisten kann.
Wertpapierdepot und Versicherungen garantieren mir lebenslange Absicherung,
so dass mir nichts passieren kann.

Tatschen verboten

Irgendwann werde ich mich auch mal durch die nicht uninteressanten und im Moment heiß diskutierten 101 Regeln der eEtiquette arbeiten. Bis dahin möchte ich an dieser Stelle gerne meine Regel Nummer Eins des Umgangs mit mir und meinem Rechner darlegen:

Keiner, aber auch wirklich kein Mensch auf dieser Welt
hat das Recht,
MEINEN BILDSCHIRM ZU BERÜHREN.

Es gibt nichts, was ich mehr hasse, als wenn mir jemand was erklären will und dabei immer wieder mit seinen Fingern auf mein Display piekt und darauf herumwischt. Nicht allein, dass ich den Schmier hinterher wieder abwischen muss, nein auch, dass Leute manchmal in Wallung geraten mit ihrer Stocherei (“Guck mal, HIER *piekpiek* genau liegst du falsch”) und ich dann physische Schäden am Display von Pixelfehlern bis zum Totalausfall (nach hinten umkippen) befürchten muss.

Sollte ich mir irgendwann einen Touchscreen zulegen, müsste ich über dieses Gesetz noch mal nachdenken …

Wir nennen es Tauschhandel

Fraglich ist ja, ob man Naturalien irgendwann versteuern muss, wenn der Tausch “Dienstleistung gegen Dinge des täglichen Bedarfs” überhand nimmt und man davon seine Familie und sich ganz gut über die Runden bringen kann. Einnahmen bisher waren zumindest:

  • Zusammenbau und Betrieb einer WordPress-basierten Webseite gegen Zusage der Ausstellung von beliebig vielen Spendenquittungen
  • Übersetzung eines vierseitigen Masterarbeit-Proposals ins Englische gegen Einen Sechserträger Budweiser (auch “die tschechische Herrenhandtasche” genannt)
  • Consulting für ein IT-Startup gegen Ein Clubsandwich, eine Berliner Weiße mit Schuss (grün) und einen Espresso
  • Einarbeitung eines Amazon-Shops in ein WordPress-Weblog gegen Eine 250-g-Tafel Ritter Sport Joghurt (Leistung steht noch aus)

Für mich als momentan Arbeitslosen funktioniert das erstaunlich gut. Wer mag, kann sich ja einfach mal melden …

Update: Phil (siehe Kommentar) hat Beratung bei einem Problem mit einer seltsamen Programmiersprache bekommen, es gab Ritter Sport Olympia. Wer will derdie Nächste sein?

Zu sozialen Netzen

“Ich kenne die Hälfte von euch nicht halb so gut, wie ich es gern möchte, und ich mag weniger als die Hälfte von euch auch nur halb so gern, wie ihr es verdient.”

- Bilbo Beutlin im “Herr der Ringe”. Und Magnus zu sozialen Netzwerken.

Mein Beruf

Im laufenden Betrieb

Ich habe die Fragen bei Anke und Maximilian gefunden und fand sie beantwortenswert.

1. Was machst du beruflich?

Ich bin Informatiker. Also ordentlich studierter, diplomierter Informatiker. Ich habe lange, wenn nicht schon allzu lange an Universitäten geforscht, gelehrt und gebaut, zuletzt zu spannenden Themen wie semantischen Technologien. Das ist die Idee, das, was Menschen ohnehin schon an Wissen und Gedanken über diese Welt (oder zumindest einen Teil dieser Welt) im Schädel haben, in für doofe Computer les- und verarbeitbare Form zu pressen. Damit kann man dann intelligente – oder intelligent erscheinende – elektronische Modeberater oder Suchmaschinen bauen, die das tun, was man als Mensch von ihnen erwartet.

Weil wir an der Uni überzeugt davon sind, dass man damit auch Geld machen kann, haben wir vor zwei Jahren eine kleine, aber feine Firma gegründet. Anfang dieses Jahres habe ich dann beschlossen, den warmen, weichen Schoß der Universität zu verlassen und mich ganz in die kalte, grausame Welt zu stürzen.

Im Augenblick werde ich allerdings noch von einer großen deutschen Behörde gesponsert, bis unsere kleine Ausgründung genug Geld abwirft, um mich und meine mir die Haare vom Kopf fressende Familie zu ernähren. Im Moment geht die Richtung in die Selbstständigkeit, was für einen Informatiker keine so schlechte Sache ist.

2. Was ist gut – was ist nicht so gut daran?

Ich liebe an meinem Beruf:

  • Probleme lösen: Wir sind dafür bekannt, Aufgaben, die man mit blöder, hirnloser Handarbeit in wenigen Stunden erledigt hätte, mit komplexen Programmen zu lösen, deren Erstellung mehrere Tage oder gar Wochen in Anspruch nehmen kann. Manchmal scheint das schwachsinnig, aber oft fallen dabei nebenher wundervolle wiederverwendbare Problemlösungen ab. Man schaue sich nur mal die Geschichte von Donald Knuths TeX an.
  • Kommunikation: Das Bild vom hornbebrillten Kellernerd, der schon beim Anblick anderer Menschen, insbesondere weiblicher, in Angstschweiß ausbricht, ist zum Glück seit längerer Zeit überholt. Mir macht es zumindest sehr viel Freude, dass mein Beruf eben auch darin besteht, mit vielen Menschen (Studierenden, Kunden, Kollegen, anderen Informatikern und allen Leuten die ich treffe, und die nicht schnell genug wegrennen) zu sprechen, mir ihre Probleme (also vor allem die rechnerbasierten) anzuhören, Lösungen zu erklären und Wissen zu vermitteln.
  • Kreativität und Erfolgserlebnisse: Dieses Gefühl, mit einem Stück Software etwas erschaffen zu haben, ist unbeschreiblich. Ständig lerne ich neue Wege, die Maschine dazu zu bringen, zu tun was ich will. Und wenn nach einem letzten kompletten Testlauf die Balken aller Unit-Tests grün sind, ist das schon ein Glücksmoment.

Ich hasse an meinem Beruf:

  • Man kommt so wenig an die frische Luft.
  • Computer sind hochgradig nichtdeterministisch. Für Nichtinformatiker: Man kann nie sagen, wie der Apparat auf irgendwelche Eingaben reagieren wird. Ich weiß, eigentlich soll das nicht so sein, aber mittlerweile haben die Geräte und die auf ihnen laufenden Systeme eine derartige Komplexität erreicht, dass selbst die Position des Kaffeebechers neben der Tastatur entscheiden kann, ob ein Testlauf Erfolg hat oder nicht. Ist wirklich so.
  • Wenn man vier Stunden lang mit Hilfe zweier Debugger, 50KB Logdaten und drei Coredumps einen Fehler sucht und dann feststellt, dass man irgendwo ein “++” an die falsche Stelle gesetzt hat.

3.  Was wäre dein absoluter Traumberuf?

Rockstar. Wenn ich nicht genau drüber nachdenke (dann würde ich nämlich feststellen, dass das Stress pur und extreme Abhängigkeit von Menschen bedeutete) … wollte ich schon immer unheimlich gerne Rockstar sein.

4. Warum gerade dieser?

Dieses Gefühl, wenn das Publikum sich schon vor Sehnsucht nach dir fast verzehrt und droht, das Stadion auseinanderzunehmen, wenn du nicht sofort auf die Bühne kommst, wenn dann die Scheinwerfer alle auf einmal angehen und du mit deiner Band die Bühne betrittst und spürst, dass dieses Konzert unglaublich gut werden wird, dieses Einssein mit den Menschen, denen du gibst, was sie wollen – das muss toll sein. Vermutlich würde mich der eigentliche Job sehr schnell zum Wrack machen, aber einmal würde ich das schon gerne erleben wollen.

Explore

Twenty years from now you will be more disappointed by the things you didn’t do than by the ones you did do. So throw off the bowlines, sail away from the safe harbor. Catch the trade winds in your sails. Explore. Dream. Discover.

Mark Twain

Sorgerechts-Soundtrack

Den passenden Song zum Straßburger Urteil,  Thema “Sorgerecht für Väter” lieferten schon vor einiger Zeit Puddle Of Mudd:

I wonder what you’re doing
I wonder where you are
There’s oceans in between us
but that’s not very far

P.S.: Leider nur Dailymotion, weil aus Youtube wieder Urheberrechtsprobleme hat.
P.P.S.: Was mich auch noch zum Weinen bringt, ist, dass der Junge aussieht wie mein Jüngster in fünf Jahren.

Wo ist das Problem?

Im Lokalblättchen ist mir schon oft folgende sinnfreie Anzeige aufgefallen. Als Mensch, der zumindest fünf Jahre lang Informatiker mit ausgebildet hat und genug Leute in der Branche kennt, frage ich mich, ob nicht mangelnde orthographische und grammatikalische Kenntnisse eher eine Grundvoraussetzung für ein Informatikstudium sind.

Wo ist das Problem?

Aufforderung

Aufforderung

Warum Safari doch doof ist

Als agnostischer Apple-Besitzer bin ich vor einigen Monaten vom Firefox, dem ich seit vielen Jahren und verschiedensten Betriebssystemvarianten treu war, auf Safari umgestiegen. Hauptgrund dafür war meine Hoffnung, einen Browser zu bekommen, der sich einfach schmucker in die restliche GUI integriert und vor allem, jemanden zu haben, der auf meinem Weg durch das große weite Web nicht andauernd meine Cookies vergisst.

Seit einigen Tagen bin ich nun wieder zurückgeschwenkt. Zur Entscheidungsfindung für die kommenden Generationen einige Punkte, warum Safari doch doof ist:

  • Der angeblich existente Geschwindigkeitsvorteil bei Safari ist für mich einfach nicht nachvollziehbar.
  • Der Safari vergisst auch andauernd Cookies. Und ja, ich habe schon alles probiert. Und nein, es ist nicht eingestellt, dass der Browser Kekse nach zwei Wochen wegwirft.
  • Es gibt keine vernünftige Lesezeichensynchronisation für Safari. XMarks (ehemals Foxmarks) gibt es zwar für alle Browser, auf Safari kann man aber nichts einstellen, sondern ist gezwungen, seine Lesezeichen auf einem externen Server abzuspeichern.
  • Web-Entwicklung: Um Webanwendungen zu entwickeln, brauche ich vernünftige Werkzeuge. Die eingebauten Entwicklertools bei Safari sind ja nicht völlig verkehrt, aber gegen den Web Developer Toolbar und Firebug können die doch nicht anstinken.
  • Suche: Ich hatte mir zwar Saft besorgt, dann aber doch schmerzlich mein Firefox-Suchfeld vermisst. Bei Saft sind die möglichen nutzbaren Suchmaschinen vorgegeben, beim Firefox kann ich auf sehr vielen Seiten, die eine Suche anbieten, einfach “Diese Suche hinzufügen” und schwuppdiwupp auf einmal in Google Maps, RubyForge oder anderswo suchen.
  • Adblocking unter Firefox (ich nehme AdBlock Plus) ist ungleich mächtiger als Safari+Saft.
  • Tabs auf Safari sind doof und es gibt keine externen Lösungen wie Tab Mix Plus. Ich will beispielsweise meine Tabs in zwei Reihen darstellen können.
  • Überhaupt Erweiterungen: Für den Firefox gibt es für jedes Problem gleich mehrere Add-Ons, aus denen man auswählen kann. Für Safari gibt es, wenn man Glück hat, ein Plugin, das nicht richtig funktioniert, dafür aber Geld kostet. Klasse!