Archiv der Kategorie: radeln

Neue Fahrradabteile bei der S-Bahn

Fahrradabteil

Die S-Bahn hat also jetzt tatsächlich diese Abteile eingeführt, wo auf einer Seite alle Sitze rausgenommen wurden.

Pro: Man kann als Radfahrer nicht mehr den Radlosen in der Bahn den Platz wegnehmen, indem man sich breit auf circa drei Sitze verteilt.

Kontra: Wenn nicht gerade ein Seniorenradausflug stattfindet, schlackert mein einsames Rad hin und her und vor allem bei Be- und Entschleunigungsvorgängen hin und zurück. Einfach so hinstellen und stehen lassen geht nicht, weil es keinerlei Haltevorrichtungen gibt.

Fazit: Nicht schlecht, Frau S-Bahn, aber noch verbesserungswürdig.

Musik im Kopf

Heute morgen auf dem Fahrrad:

„Anneliese Schmidt“ von die ärzte

Mit Kind auf dem Rücksitz durch das Prekärenviertel Emmvau zu radeln und dabei laut zu singen „Ich ess das Kind von meinem Nachbarn auf“ – was kann es Schöneres geben?

Handreichungen zum Wintereinbruch

Winter

Die BVG wird bestreikt, du musst zur Arbeit, das Auto kostet Sprit und Nerven – wer will schon zwei Stunden im Stau auf dem Weg zur Arbeit verbringen? Da liegt es nahe, den guten alten Drahtesel aus der Garage zu holen und sich durch Eis und Schnee auf den Weg durch die Stadt zu machen. Doch Obacht! Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg ist gefährlich und glatt. Hier einige vielleicht nützliche Handreichungen zum velozipedären Umgang mit dem Winter:

  1. Fahre langsam!
    Die Radwege, Straßen und Bürgersteige sind in diesen Tagen gepflastert mit Radlern, die – sich in einer Art Größenwahn maßlos überschätzen – mit ausgerenkten Gliedern oder gar Rippenprellungen auf den Notarzt warten. Und wenn du denkst, du bist langsam, fahre noch langsamer.
  2. Fahre keine Kurven!
    Kurven sind eines der größten Ãœbel bei glatten Straßen. Alles, was dazu führt, dass deine Reifen ihre natürlich gegebene Geradeausstellung in irgendeiner Weise aufgeben müssen, sorgt für Stürze. Zuerst rutscht das Vorderrad ein Stückchen nach links, du versuchst auszugleichen, übersteuerst gnadenlos nach rechts und kann dann nur noch zusehen, wie dir dein treuer Begleiter aus den Händen rutscht – und du rutschst mit. Hose nass, Lenker verbogen, hinterer Umwerfer kaputt und bei ganz großem Pech liegst du auf der Straße und zwei Meter vor dir kann ein Schwertransporter auch nicht mehr rechtzeitig bremsen …
    Sieh zu, dass dein Weg möglichst wenige Kurven beinhaltet. Wenn du schon eine Kurve fahren musst, suche dir die Stelle, wo sie am wenigsten glatt ist oder scheue dich nicht, anzuhalten, dich auf den Füßen abzustützen und dein Rad in die Richtung zu drehen, die für eine Weiterfahrt die hilfreichste ist.
  3. Nutze schamlos alle nichtglatten Flächen!
    Dazu gehören vor allem gestreute oder gar gesalzene Hauptverkehrswege, Bürgersteige, die von Opa Meier frühmorgens mit dem Vorkriegsbesen in mühevoller Handarbeit gereinigt wurden oder auch (Geheimtipp!) Schnee. Reifen greifen in frischem Schnee immer noch besser als auf plattgefahrenen Straßen.
    No-Go-Areas sind dagegen Nebenstraßen, auf denen der Schnee schon breitgefahren und angepresst wurde, Neuschnee auf Eis (vorher vorsichtig antesten), Eisbahnen, Skisprungschanzen und vor allem Radwege! Kein Mensch kümmert sich im Winter um Radwege, mit dem Erfolg, dass diese nach einem Tag breite gefrorene Fahrrinnen aufweisen, in denen man maximal für die nächste Bob-WM üben kann. Aber Rad fahren geht auf Radwegen gar nicht.
  4. Probiere!
    Wenn du irgendwie unsicher ob der Straßenlage bist, mach eine Testbremsung bei einer sehr langsamen Geschwindigkeit.Steig mit einem Fuß ab und rutsche ein paar Mal hin und her – das sieht dämlich aus, aber die Leute halten dich ohnehin schon für besemmelt, bei der Witterung Rad zu fahren.
  5. Schütze dich!
    Ein Helm hilft sehr gegen längere Aufenthalte in der Neurochirurgie des Virchow-Klinikums mit anschließender Reha in Beelitz – Radfahrer stürzen meistens mit Kopfverletzungen. Wasserfeste Kleidung ist auch gut, wirst du doch des Öfteren im Schneematsch liegen.

Nun kann dem Wintervergnügen nichts mehr im Wege stehen. Also: Einen guten Rutsch!

Heute wird gestreikt

Da ich nicht mit dem Fahrrad in die sporadisch verkehrende S-Bahn steigen wollte – ich wäre sicher nicht heil dort herausgekommen – habe ich den schönen Morgen dazu genutzt, mit dem Rad die zwanzig Kilometer zur Arbeit zu fahren. Abgesehen von der Anstrengung ist das noch die schönste Art, bei Streik durch die Stadt zu kommen.

Streiktag

Die Autofahrer, die sich schon bis in die Kleinstraßen stauend in ihr Lenkrad verbeißend gegenseitig verfluchten („Warum muss der Idiot heute mit dem Auto zur Arbeit fahren?“), überholte ich fröhlich pfeifend rechts auf dem Radweg. Die Leute, die auf den ÖPNV angewiesen sind, quetschten sich zu Hundertschaften in die Ersatzbusse der U9, nur um dann zum Beispiel an der Putlitzbrücke in die nur alle zwanzig Minuten fahrende S-Bahn überzuwechseln, wo ihnen dann im hautnahen Kontakt mit Axel, dem schwitzenden Schweißer eine Demonstration der olfaktorischen Vielfalt unserer Stadt geboten wurde.

Schlauer als der Fahrradklauer?

Mit so einem schönen, neuen Fahrrad kommen ja auch die (von Kommentatoren noch angefachten) Sorgen, das Gerät könnte irgendwann mal jemandem so gut gefallen, dass er es ohne monetäre Gegenleistung einfach so entfernt. Viele Fahrradforen dort draußen beschäftigen sich mit dieser Frage, sehr nett zum Beispiel diese Sammlung mit dem Titel „How can my bike survive NYC?„. Patentlösungen gibt es nicht, aber einige sehr schöne Beachtungspunkte:

  • Sinn eines Fahrradschlosses ist nicht, den Diebstahl des Rads zu verhindern, nur, ihn zu verzögern.
  • Ziel des Schlosseinsatzes ist es, dem Dieb das Fahrrad nebenan attraktiver für einen Klau erscheinen zu lassen.
  • Es gibt ganze Tippsammlungen, die erklären, wie man sein Fahrrad auf ganz alt trimmt. Ich habe immerhin schon angefangen, um die Rahmenrohre Lenkerband zu kleben, das schützt den Lack und sorgt für mehr Hässlichkeit.
  • Den Sattel sollte man immer abnehmen, weil kein Fahrraddieb gerne lange Strecken im Stehen fährt.
  • Auch schön: Besorge dir Aufkleber irgendeiner Billigmarke (in Deutschland vielleicht eine dieser Kaufhausmarken) und ersetze alle Cannondale-Aufkleber an deinem Rad. Oder lasse sie ganz weg, so hab ich das gemacht.
  • Dumme Diebe klauen dein Fahrrad, auch wenn es billig aussieht, weil sie keinen Plan haben.
  • Schlaue Diebe klauen dein Fahrrad, weil sie wissen, dass es nur billig aussieht.