Monatsarchiv für Juni 2010

 
 

Anti-Alptraum

Gewiss, uns allen sind diese Träume bekannt, in denen man schrecklichsten Gefahren und tiefsten Ängsten begegnet und dann schweißgebadet und am ganzen Körper unkontrolliert zitternd zu erwachen. Haben wir alle schon gehabt, haben wir alles schon erlebt. Und das Gegenteil?

Diese Nacht war anders. Ich stand – alle meine Freunde um mich versammelt, vor meiner Haustür und suchte nach dem Schlüssel, um uns alle hereinzulassen. Gerade noch hatten wir auf einer Party munter gefeiert, erwartungsvolle Gesichter blickten mich an – wann können wir eintreten? Den eigentlichen Hausschlüssel, also das Original, musste ich wohl drinnen vergessen haben, aber glücklicherweise fiel mir noch ein, dass ich ja vor kurzem einen Nachschlüssel hatte anfertigen lassen.

Er war aus Fleischwurst. Jawohl, ich hatte einen Nachschlüssel aus Fleischwurst in der Tasche, rosa, fettig, aber dem Original so fein nachgearbeitet, dass er wohl passen sollte. Ich zeigte ihn im Freundeskreis herum und unter großem Gekichere und Gejohle versuchte ich, den Wurstschlüssel in das Türschloss zu zwängen. Natürlich brach er ab, aber der ganze Vorgang gestaltete sich derart komisch, dass wir allesamt in haltloses Gelächter ausbrachen.

Dann erwachte ich, immer noch leise in mich hineinkichernd. So etwas ist mir aber wirklich noch nie passiert – das Gegenteil eines Alptraums, einer, aus dem man fröhlich aufwacht. Das könnte mir ruhig öfter passieren.

Ein Herz voller Legosteine

Es gibt ganz viele verschiedene Nerds. Es gibt welche, die schreiben selber Star-Trek-Geschichten, andere denken sich Drehbücher für Serien aus, die nie in Produktion gehen, wieder andere ziehen sich seltsame Klamotten an und hauen sich im Wald mit Schaumstoffschwertern gegenseitig auf die Kettenmütze. Aber am allerallerliebsten von allen sind mir die LEGO-Nerds, im Fachjargon auch AFOLs genannt (Adult Fan Of LEGO, also “Erwachsener LEGO-Fan”). Auch dieses Jahr waren sie wieder in Berlin, dieses Mal im sozialistischen Prachtbau mit Holzverschalung in der Wuhlheide, zum 1000SteineLand.

Einige Impressionen aus meinem Flickr-Album:

Doppeldecker

Viele der Fotos habe ich ja gemacht, um mir Ideen zu klauen. So einen wollte ich beispielsweise schon länger bauen.

Public Viewing

Eine unselige, aber gut ausgedachte Verquickung von realer und LEGO-Welt – Public Viewing für Minifigs und Besucher auf dem Flachbildfernseher.

Radrennen

Meine Favoriten sind diese kleinen Details am Rande, Szenen und Geschichten mit Minifiguren, die sich nahtlos in die großen Modelle einfügen.

Das Schöne an diesen LEGO-Nerds ist ja auch der Familiensinn – wenigstens die Hälfte der Aussteller waren mit der ganzen Familie gekommen und waren auf Anfrage auch gerne bereit, sich über Schwierigkeiten beim Bauen oder der Steinefindung auszulassen oder aber die Story hinter ihrem Modell haarklein darzulegen.

Und dass ich hinterher nicht ausreichend Bargeld hatte, um mit noch was Schönes aus den Shops mitzunehmen – nur die Kinder haben was bekommen – war nicht weiter schlimm, denn ich habe jetzt den Geheimtipp bekommen, mit dem man die Sammelfiguren der neuen LEGO-Serie, die alle identisch verpackt sind, schon auf der Packung identifizieren kann. Alleine dieser Tipp war Gold wert.

Wir nennen es Tauschhandel

Fraglich ist ja, ob man Naturalien irgendwann versteuern muss, wenn der Tausch “Dienstleistung gegen Dinge des täglichen Bedarfs” überhand nimmt und man davon seine Familie und sich ganz gut über die Runden bringen kann. Einnahmen bisher waren zumindest:

  • Zusammenbau und Betrieb einer WordPress-basierten Webseite gegen Zusage der Ausstellung von beliebig vielen Spendenquittungen
  • Übersetzung eines vierseitigen Masterarbeit-Proposals ins Englische gegen Einen Sechserträger Budweiser (auch “die tschechische Herrenhandtasche” genannt)
  • Consulting für ein IT-Startup gegen Ein Clubsandwich, eine Berliner Weiße mit Schuss (grün) und einen Espresso
  • Einarbeitung eines Amazon-Shops in ein WordPress-Weblog gegen Eine 250-g-Tafel Ritter Sport Joghurt (Leistung steht noch aus)

Für mich als momentan Arbeitslosen funktioniert das erstaunlich gut. Wer mag, kann sich ja einfach mal melden …

Update: Phil (siehe Kommentar) hat Beratung bei einem Problem mit einer seltsamen Programmiersprache bekommen, es gab Ritter Sport Olympia. Wer will derdie Nächste sein?

Nomen est Omen

Wir konnten damals nicht ahnen, dass wir die Ältere nach einem Topmodel benennen würden – das Namensvorbild war eine Nachbarstochter und die Karriere noch nicht absehbar. Aber dass unsere jetzt den Klassenfahrt-Modelwettbewerb gewonnen hat, gibt uns doch zu denken.