Monatsarchiv für November 2006
[Liveblog Semantics] Semantic Social Networks
Stefan Decker stellt SIOC vor, eine simple Ontologie für Blogs, Wikis, Foren und andere Auswüchse von sozialen Netzwerken. Auf seine Frage hin, wer denn hier im Raum ein Blog besitze, schnellen bestimmt ein Sechstel der Hände (ein Drittel der Anwesenden) in die Höhe. Da hätte man ja mal URLs austauschen können.
SIOC soll auf simple Weise Verbindungen zwischen diesen verschiedenen sozialen Netzwerken erlauben. Es gibt ein WordPress-Plugin, was ich gegebenenfalls mal ausprobieren werde.
[Liveblog Semantics] Vermischtes III
Donnerstag 9:50
- Der große Saal war wohl auf Dauer zu teuer. Wir sind jetzt in einem Raum, in dem gerade noch Stühle aufgestellt werden, weil nicht alle hineinpassen. Es scheinen auch so viele Leute an einem Access Point zu hängen, dass die Internetverbindung immer mal wieder abbricht. Fein.
- Vielleicht ist das hier nicht wirklich eine wissenschaftliche Konferenz, aber die Diskrepanz zwischen Forschungsprojekten und Firmenpräsentationen ist schon groß. Wenn ein Wirtschaftler da vorne steht und nach Implementierungsdetails gefragt wird und auf viele Fragen nur Antworten hat wie "Das darf ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht erzählen" und "Ich will nicht zu viel verraten", dann lobe ich mir doch unsere universitären Projekte. Wir pflegen wenigstens eine offene Kommunikationskultur.
- Mein Vortrag war zwar zu lang – ich kam einfach nicht damit zurecht, dass wir dann doch auf Deutsch vortragen konnten und habe mich verquatscht – hat aber einiges an interessantem Feedback generiert.
- DERI ist eine lustige Forschungseinrichtung. Die haben so ein PR-Video, wo alle Mitarbeiter DERI-T-Shirts anhaben und immer ganz fröhlich sind. DERI goes Scientology und ich reserviere schon mal die Rechte am Begriff DERI-Droid.
[Liveblog Semantics] SAP und das Semantic Web und die Diskussion
Es folgt Wolfgang Pfeifer, der erklärt, ob semantische Technologien einen neuen Hype Cycle induzieren oder nicht. Ein Hype Cycle ist ein feines Ding, von Gartner erdacht, um den Lebenslauf eines Hypes zu beschreiben. In Wirklichkeit sind es teilweise die Gartner-Hypecycles, die dazu führen, dass irgendwelche Trends hochgejubelt und Forschung dafür reichlich mit Steuergeldern beregnet wird. Kritik dazu auf diesem Blog.
Das Basisproblem scheint zu sein, dass "Business" nach Flexibilität und Geschwindigkeit verlangt, die IT aber effizient und kostengünstig arbeiten muss. Und das beides gleichzeitig. IT sorgt für ein schreckliches Durcheinander bei Datenstrukturen und Infrastrukturen.
Letztendlich bleibt mir vom Vortrag hängen, dass Herr Pfeifer nur Fragen hat, vor allem die, in wie weit SW irgendwie bei den dargestellten IT-Problemen helfen kann. Das wiederholt er auch in der daruf folgenden Diskussion, die insgesamt recht unerquicklich verläuft, mit den Hauptdiskussionslinien:
- SAP macht quasi kein Semantic Web und weiß auch noch nicht, was das bringt.
- Microsoft macht auch kein Semantic Web, könnte sich das aber bei Microsoft Live vorstellen. Allerdings erst in zwei Jahren.
- Denny vom AIFB erwartet von den großen Playern neben ihm auch gar kein Engagement und verweist auf das Web selbst – auch keine Aktion großer Firmen und trotzdem erfolgreich.
[Liveblog Semantics] Microsoft und das Semantic Web
Seitenhiebe auf Web 2.0 scheinen in dieser Community üblich zu sein. Auch Harald Leitenmüller setzt das Bedürfnis nach Information (gestillt durch Semantic Web) höher an als das Bedürfnis nach Kommunikation (gestillt durch z.B. Weblogs) – in einer Art IT-Adaption der Maslowschen Bedürfnishierarchie. Die durchschnittliche informative Qualität der weltweiten Blogs schätzt er als niedrig ein. Das stößt mir als Blogger natürlich zunächst sauer auf, aber irgendwie hat er auch Recht. Kommunikation ist mir im Blog wichtiger als Information. Interessant wäre, wie Leitenmüller die Bedeutung oder den Zweck seines Blogs einschätzt.
Ansonsten findet Microsoft, dass SW eine feine Sache ist, will die User mit ins Boot holen und so weiter und so fort. Interessant ist der Fokus von Microsoft auf Microformats. Wollen die den nichtexistierenden Standard übernehmen? Wollen sie in eine bestimmte Richtung? Semantische Technologien insgesamt sieht MS auf dem Vormarsch in Werbung und Gaming – das ist interessant. Die scheinen mit XBox live richtig viel Informationen zu generieren. Mal sehen, was in der Diskussion "Semantic Web + Web 2.0 = Web 3.0" kommt.
"We want to support open standards."
"There is no Semantic Web initiative going on at Mircosoft at this moment."
[Liveblog Semantics] Semantic Wikipedia
Gestern abend habe ich auf die Preisverleihung eines österreichischen Preises an österreichische PhDs und Magister verzichtet, ebenso auf den Empfang, der, wie man mir glaubhaft versichert, vernachlässigbar schlecht war. Stattdessen bin ich über die Donaubrücke zum Hotel zurückgelaufen und habe Fotos mit langer Belichtungszeit gemacht. Dabei konnte ich feststellen, dass Wien – wie Berlin – in der Innenstadt schick ist, an den Rändern aber etwas ausfranst.
Nachdem ich das Fenster des Zimmers geschlossen hatte, konnte ich auch schlafen. Ansonsten hätte sich jede Viertelstunde eine Kirchenglocke, vermutlich vom Stephansdom, in mein Hirn geläutet. Das Frühstück im Hotel war köstlich.
Wie nett, ein Legobildchen in einer seriösen Präsentation. Das Semantic Web muss also die Wikipedia heiraten. So etwas ist den Semantic-Web-Leuten immer einfach zu erklären, die sind ja immer auf der Suche nach dem wirklichen Leben. Aber wie macht man den Wikipedianern klar, dass Semantic Web irgendeinen Wert hat? Ich bin gespannt.
Was mir nebenher auffällt, ist wieder einmal der Hang zum Namedropping in der Community. Es heißt "TimBL", sprich "Timbel", nicht Tim Berners-Lee. Hier sagt er Jimbo Wales statt Jimmy Wales. Das wirkt immer so, als würde man mit dem jeweiligen Guru Abend für Abend in der Kneipe sitzen. Es ist nicht wichtig, was du machst, sondern, wen du kennst.
Das ist klasse, wirklich klasse. Schaut euch die Folien an. Semantische Informationen in der Wikipedia würden dynamische Seiten erlauben, auf denen man an irgendeiner Stelle eine einfach strukturierte Anfrage hineinschreibt wie "Gib hier alle Stadtteile von Berlin aus". Jetzt muss man nur noch die Wikipedianer bekehren.
Ich werde das Bloggen bis nachmittags einstellen, damit ich noch mal über meinen Vortrag gehen kann.
[Liveblog Semantics] Verschiedenes II
- Österreichisch ist eine niedliche Sprache. Ich höre das sehr gerne, diese langgezogenen, manchmal wie Kaugummi ausgeleierten Vokale. Noch niedlicher ist allerdings österreichisches Englisch.
- Das Überziehen der eigenen Redezeit ist etwas, was ich als Zuhörer als sehr unhöflich gegnüber dem Publikum und den Nachrednern empfinde. Ich muss morgen aufpassen, dass ich nicht zu lange erzähle.
- Hier rennen zeitweise bis zu drei Fotografen herum. Aber ich bin schneller im Web, auch wenn die tolle Kameras haben. Ist ja nicht alles schlecht bei Magnus.
[Liveblog Semantics] Play It Again, Frank
[Liveblog Semantics] Der Rest des Vormittags
Wir hatten dann drei Vorträge, die sich mit netten Technologien rund um das Semantic Web beschäftigten.
Der erste stellte HARMONISE vor, eine Art gemeinsame Ontologie für Daten im Tourismus (Hotels, Transport, Kunden etc.). Das komplexe an der Interoperabilität ist, wie der Vortragende glaubhaft versichern konnte, die Transformation von Daten. Sie haben das ursprünglich mit Java-Klassen gemacht, die Funktionen zur Datentransformation bereitstellen, sind dann aber schnell darauf gekommen, dass kein Mensch Java schreiben will. Jetzt haben sie so eine Art Funktions-Lego zusammen mit XSLT für etwas komplexere Aktionen und dem ursprünglichen Java, für totale Freiheit. Ich habe mir erlaubt, zu fragen, wenn sie ohnehin schon alle Daten in XML haben, was dann RDF noch bringt. Ich wollte nicht fies sein, aber genau diese Frage bekommen alle an den Kopf geworfen, die XML haben und daraus RDF machen. Die Antwort war (ich kürze ab): Erweiterbarkeit und Reasoning.
Danach eine Darstellung von elektronischen Bibliotheken, deren Daten in ein gemeinsames Format transformiert werden (ratet mal, welches!), um gemeinsame Anfragen und Suchen zu erlauben. Wieder RDF als Esperanto der Datensprachen.
Anschließend zwei engagierte junge Männer aus Leipzsch, die quasi die Menschheit durch festgelegte Workflows dazu zwingen wollen, bestimmte Ontologieschemata beim Erstellen von Metadaten zu verwenden. Eine typische Forschungsanwendung – interessant, aber es bleibt unklar, wie das kommerziell genutzt werden soll.
[Liveblog Semantics] Hendler, Lassila und der Traum vom Semantic Web
James Hendler, Ora Lassila , zwei Namen, die in der Semantic-Web-Community immer noch Garant für erfolgreiches Namedropping sind. Eine interessante Geschichte des Semantic Web von Berners-Lees Artikel im Scientific American bis heute. Schön ist ein Satz in einer Notiz von Hendler, Lassila und Berners-Lee, wo sie das SW planen. Irgendwo steht dann "Then, a miracle occurs." Na ja.
Es ist erkennbar, dass sich die Forschung in der Semantic-Web-Torte langsam nach oben arbeitet. Ob das mit der kommerziellen Verwertbarkeit auch so gut funktioniert, wird sich erweisen. Im Moment sind die Firmen dabei, Prototypen auf Basis semantischer Technologien zu entwickeln oder entwickeln zu lassen, genau das, was wir auch in unserem Projekt machen.





